Stress am Arbeitsplatz

| Neues aus dem Projekt

Das Burn-out-Syndrom hat sich zum zentralen Schlagwort der Debatte um die psychische Gesundheit entwickelt. Der inflationäre Gebrauch führte dazu, dass in der öffentlichen Debatte alles Burn-out genannt werden konnte und wurde – von der vorrübergehenden stressinduzierten Erschöpfung bis zur schweren Depression, ohne einheitliche Bestimmung der Ursache.

Was bedeutet die Entscheidung der WHO?

Darauf hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) jetzt reagiert und den Zusatzcode „Burn-out“ (Z73) konkretisiert. In der Neufassung der Internationalen statistischen Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme (ICD) wird das Burn-out-Syndrom ab 2022 als „Folge von chronischem Stress am Arbeitsplatz, der unter anderem zu einer negativen Einstellung zum Job und geringerer Leistungskraft führe“, präzisiert. Zusatzcodes dienen der Spezifizierung von Diagnosen und sollen unter anderem „potentielle Gesundheitsrisiken aufgrund sozioökonomischer oder psychosozialer Umstände“ erfassen, die keinen eigenen Krankheitswert haben.

Ist Burn-out jetzt eine anerkannte Krankheit?

Nein. Eine missverständliche Formulierung auf der Pressekonferenz der WHO führte dazu, dass viele Leitmedien in Deutschland diese Meldung verbreiteten. Diese Meldung korrigierte die Weltgesundheitsorganisation und stellte klar: Die gesundheitlichen Folgen von Burn-out haben zwar einen Einfluss auf den Gesundheitszustand, sind aber keine eigenständige Krankheit.

Das sind die drei Burn-out-Symptome der WHO:

  1. Gefühle der Energieverarmung oder Erschöpfung
  2. erhöhte mentale Distanz zum eigenen Arbeitsplatz oder Gefühle des Negativismus oder Zynismus im Zusammenhang mit dem eigenen Arbeitsplatz
  3. verringerte berufliche Wirksamkeit

Was ist jetzt neu?

Burn-out kann nach wie vor als Zusatzcode verwendet werden. Neu ist der konkretisierte Bezug zur Arbeitswelt, um den inflationären Gebrauch des Begriffs zu stoppen. Ziel ist es, dass Erschöpfungssymptome, die keine ausschließliche, chronische Folge arbeitsbedingter psychischer Beanspruchung sind, künftig nicht mehr als Burn-out-Syndrom bezeichnet werden sollen, sondern mit anderen Zusatzcodes verschlüsselt werden.

Wozu dienen Zusatzcodes?


Die Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme (ICD) ist die amtliche Klassifikation zur Verschlüsselung von Diagnosen in der ambulanten und stationären Versorgung in Deutschland. Sie dient medizinischen Fachkräften und Krankenversicherern als Orientierung und listet aktuell insgesamt 55.000 Krankheiten, Symptome und Verletzungsursachen. Sie dient darüber hinaus als Grundlage für Vergütungs- und Finanzierungssysteme, Qualitätsberichte sowie Statistiken.

Die Codes bestehen aus einem Buchstaben und einer Nummer. Die Depression hat beispielsweise den Code F32.0 ff und ist eine psychische Störung, die eine Behandlung zulasten der Krankenversicherungen indiziert. Das Burn-out-Syndrom dagegen findet sich als Syndrom unter dem Code Z73. Z-Codes beschreiben keine Krankheiten, sondern Umstände oder Situationen, die Einfluss auf den Gesundheitszustand nehmen. So reicht ein Z-Code nicht aus, um eine Psychotherapie zu beantragen oder eine Arbeitsunfähigkeit zu bescheinigen. Die Z-Kategorien spielen in der täglichen medizinischen Praxis eine eher untergeordnete Rolle.

Welchen Unterschied macht das für die Betroffenen?

Zunächst macht es für das individuelle Leiden keinen Unterschied, welche Ursache die Symptome haben. Die Erholungsbedürftigkeit bleibt – ganz gleich, ob sie privat oder arbeitsbedingt ist. Trotzdem hat die Entscheidung auch einen Einfluss für die Betroffenen: Desto genauer die Ursachen für die individuellen Symptome in den Blick genommen werden, desto besser können diese durch Behandlung und Prävention verringert werden.

Wie unterstützt psyGA?

Um Betriebe dabei zu unterstützen, die Arbeit so zu gestalten, dass die psychische Gesundheit gefördert und arbeitsbedingte Gefährdungen verhindert werden, unterstützt psyGA betriebliche und überbetriebliche Entscheider mit praxisnahen Tools, kompakten Leitfäden und ganzheitlichen Konzepten bei der Umsetzung von Präventionsaktivitäten. Die kostenlosen Angebote umfassen eLearning-Tools, Seminarkonzepte, Leitfäden und Arbeitshilfen. Seit dem Projektstart von psyGA im Jahr 2009 sind rund 700.000 Broschüren und Handlungshilfen in der betrieblichen Nutzung.