Sucht

Das Risiko am Arbeitsplatz verringern

Viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer entspannen sich an ihrem Feierabend bei einem Glas Wein. Auch zum Geschäftsessen oder auf Firmenfeiern ist Alkohol präsent. So verwundert es kaum, dass Alkoholabhängigkeit eine der geläufigsten Süchte ist. Daneben gibt es aber noch viele andere Suchtkrankheiten. Sie alle verursachen nicht nur persönliches Leid, sondern bergen auch ein Risikopotenzial für das Arbeits­ und Betriebsklima sowie die Sicherheit am Arbeitsplatz.

Mit Sucht umzugehen, fällt vielen Menschen nicht leicht. Das Thema ist oft mit Ängsten und Scham behaftet und wird gerne verdrängt. Ein offener Umgang und Unterstützung sind in der Regel hilfreicher, als wegzuschauen und mögliche Folgen im Unternehmen auszubaden. Wichtig ist es, klare Regeln und Grenzen zu setzen, aber auch sensibel für Mitarbeitende zu sein, die in eine Suchtfalle geraten sind.

Sucht – ein altes und neues Problem

Immer wieder geraten Menschen aufgrund verschiedenster Gründe in die Abhängigkeit von Substanzen wie Alkohol, Nikotin, Medikamenten und illegaler Drogen, sie werden abhängig von Glücksspielen, entwickeln Essstörungen oder eine Internet­ bzw. Computerabhängigkeit. Während Nikotin­ und Alkoholkonsum am Arbeitsplatz schneller erkannt werden, bleiben andere Suchtmittel und ­formen oft unentdeckt. Auch neue, bisher unbekannte Suchtformen kommen hinzu. Dazu zählt zum Beispiel das als Neuro-Enhancement bezeichnete sogenannte Gehirndoping am Arbeitsplatz.

Vor dem Hintergrund steigender Arbeitsbelastung besonders in Dienstleistungsberufen nimmt der Griff nach Aufputschmitteln weiter zu. Für die Suchtprävention gilt daher: Führungskräfte oder Betriebsärztinnen bzw. Betriebsärzte sollten auf solche Entwicklungen, soweit sie erkennbar sind, achten. Viele Firmen, vor allem größere, tun dies bereits.

Wirtschaftlicher Schaden durch Alkoholkonsum

Schätzungen gehen davon aus, dass etwa fünf bis zehn Prozent der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eines Unternehmens einen riskanten Konsum von Alkohol haben. Das hat Folgen für die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit von Unternehmen. Der durchschnittliche Leistungsausfall einer suchtgefährdeten Person liegt bei etwa 25 Prozent (Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen/Barmer GEK, 2011).

Risikofaktoren im Betrieb

Diese Faktoren können potenziell suchtgefährdend sein:

  • hoher Leistungs­ und Konkurrenzdruck
  • schlechtes Arbeitsklima oder schlechte Arbeitsbedingungen
  • Mobbing
  • Über-­ oder Unterforderung
  • mangelnde Anerkennung und Wertschätzung von Tätigkeiten

Risikofaktoren verringern

Es ist ratsam zu überprüfen, wie sich gefährdende Belastungen verringern lassen und welche Person oder Personen (je nach Betriebsgröße) zukünftig die betriebliche Suchtprävention aufbauen und verantworten – auch im Hinblick auf finanzielle und zeitliche Ressourcen der Betroffenen. Personen, die sich dazu bereit erklären, erhalten am besten die Möglichkeit, eine Fortbildung zu dem Thema zu machen.

Es hat sich bewährt, die Ziele der Betrieblichen Suchtprävention in einer entsprechenden Betriebs­/Dienstvereinbarung festzuhalten. Informationen und Hilfen für eine solche Vereinbarung bieten zum Beispiel Krankenkassen, die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) oder die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) an – oft auch in Form von Musterbetriebsvereinbarungen.