Stellen Sie sich vor, Sie sind Inhaber eines Handwerksbetriebs mit drei Beschäftigten. Plötzlich fällt eine Mitarbeiterin oder ein Mitarbeiter wegen einer psychischen Erkrankung für einen Monat aus. Keine unrealistische Vorstellung: 2013 waren Handwerker, die aus psychischen Gründen arbeitsunfähig waren, pro Krankmeldung durchschnittlich 32 Tage lang nicht im Betrieb. Darüber wird im Handwerk häufig noch nicht gesprochen.

Dabei wäre das gerade in der heutigen Arbeitswelt, in der Arbeitspensum, Druck und Komplexität zunehmen, besonders wichtig. Um als Betrieb langfristig erfolgreich zu sein, sind Kompetenzen im Umgang mit Belastungen und Stress unverzichtbar. Ihre Gesundheit und die Ihrer Beschäftigten beeinflussen die Motivation und das Arbeitsklima erheblich – und damit auch die Produktivität und den Erfolg Ihres Unternehmens.

Wir laden Sie ein, Ihre Kompetenzen im Bereich Gesundheit und Stressprävention zu erweitern. Sie werden überrascht sein, welche Bereiche in engem Zusammenhang mit Stress stehen und wie Sie schon mit einfachen Maßnahmen beispielsweise bei der Arbeitsorganisation, Stress reduzieren können.

„Der Salon als zweites Zuhause“

Praxisbeispiel: Lessing Friseure

Dennis Lessing und seine Frau Yvonne führen im nordhessischen Korbach zwei Friseurgeschäfte. Mit insgesamt 20 Mitarbeitern verfolgen sie an zwei Standorten zwei unterschiedliche Konzepte: einen klassischen Salon mit fester Terminvereinbarung, Service- und Wellnesscharakter und einen Express-Salon für spontane Kunden, die eine schnelle Bedienung schätzen. Der ältere Betrieb ist bereits seit 82 Jahren in Familienbesitz, 2004 übernahm Lessing ihn von seinen Eltern. Trotz der langen Tradition und der breiten Aufstellung des Familienbetriebes, sind Lessing Friseure einem hohen Konkurrenzdruck in der Friseurhandwerksbranche ausgesetzt. In diesem Umfeld sind niedrige Preise und der immer größere werdende Fachkräftemangel enorme Herausforderungen, denen sich dieser Handwerksbetrieb durch die Inanspruchnahme des ESF-Programms unternehmensWert:Mensch, erfolgreich gestellt hat. Durch eine stärkere Einbeziehung der Mitarbeitenden sowie durch einen Wandel in der Unternehmenskultur schafften es Lessing Friseure, ein gesundes Arbeitsklima zu schaffen das den Krankenstand nachhaltig verringert hat und Fachkräfte anzieht.

Unsere Angebote für Sie!

Erfahren Sie mehr zum Thema durch unsere vielfältigen psyGA-Angebote. Lernen Sie Ihre aktuelle Situation anhand eines Kurzchecks einzuschätzen oder nutzen Sie unser eLearning-Tool. In unseren Handlungshilfen finden Sie zudem wertvolle Hilfestellungen und Praxisbeispiele.

Kurzcheck

Kurzcheck: Gesundheit der Beschäftigten

Motivierte und leistungsbereite Beschäftigte werden vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung mehr und mehr zum Wettbewerbsvorteil und die Gesundheit im Betrieb gewinnt zunehmend an Bedeutung. Verschiedene Beobachtungen und Erhebungen haben gezeigt, dass sich Handwerksbetriebe bei diesem Thema deutlich voneinander unterscheiden. Leistungsfähigkeit, Arbeitsqualität, Krankheitstage, Betriebsklima und viele weitere Faktoren sind variabel und können gezielt beeinflusst werden. Die Fähigkeiten jedes einzelnen Beschäftigten tragen zum Unternehmenserfolg bei – je kleiner der Betrieb, desto deutlicher spürbar. Ihre individuelle Gesundheit – körperlich und psychisch – spielt dabei eine zentrale Rolle.

Der Kurzcheck „Gesundheit der Beschäftigten“ hilft Ihnen, eine erste Einschätzung zu erlangen, ob in diesem Bereich in Ihrem Betrieb Handlungsbedarf besteht.

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Handlungshilfe

Handlungshilfe: Lösungen und Tipps für Handwerksbetriebe

Für Handwerksbetriebe gewinnt das Thema psychische Gesundheit zunehmend an Bedeutung. Das zeigen auch die Zahlen der IKK classic: Während 2017 die durchschnittliche Dauer aller Krankheitsfälle im Handwerk bei 13,9 Tagen lag, waren es bei psychisch bedingten Krankheitsfällen ganze 32,6 Tage. Vor allem in kleinen Betrieben sind erkrankte Mitarbeiter nur schwer zu ersetzen. Gerade die Inhaberinnen und Inhaber selbst sind oft stark belastet, denn Kapazitätsplanung, Kundenbetreuung, Controlling, Einkauf und Akquise stellen vielfältige Anforderungen.

Um das Thema psychische Gesundheit nachhaltig einzubringen, braucht es nicht zwingend ein umfassendes betriebliches Gesundheitsmanagement, wie man es von großen Konzernen kennt. Auch kleine Betriebe können mit wenig Aufwand viel erreichen: Zum Beispiel mit klar strukturierten Arbeitsabläufen oder mit einer übersichtlichen Organisation von Werkzeug und Material. Wie genau diese Maßnahmen aussehen können und welche Auswirkungen sie auf die Gesundheit der Beschäftigten haben, zeigt die Handlungshilfe anhand von neun Praxisbeispielen aus verschiedenen Handwerksbranchen.

Insgesamt 24 Arbeitshilfen decken die unterschiedlichen Facetten der psychischen Gesundheitsförderung ab: Von Arbeitsorganisation über gute Führung bis hin zu Stressmanagement werden Handwerksbetriebe in die Möglichkeiten eines betrieblichen Gesundheitsmanagements eingeführt.

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eLearning

eLearning-Tool: Der gesunde Betrieb – Los geht’s!

Nur wer gesund ist und sich wohlfühlt, ist leistungsfähig, motiviert und kreativ. Die Gestaltung der Arbeitsbedigungen hat nachweislich Einfluss auf die Gesundheit der Beschäftigten. Gesundheit am Arbeitsplatz ist ein wichtiges Thema für Unternehmen jeder Größe.

Aber gerade klein- und mittelständische Unternehmen fühlen sich oft überfordert bei der Frage, wie sie das Thema Gesundheit im eigenen Betrieb angehen sollen. Was ist gesetzlich vorgeschrieben? Was ist darüber hinaus sinnvoll oder weniger sinnvoll? Wie sollte man vorgehen, um sich dem Thema systematisch und nachhaltig anzunehmen? Vor diesen Fragen stehen viele Unternehmen und Organisationen.

Gefragt sind kompakte und verständliche Informationen, die einen leichten Einstieg in die Thematik ermöglichen. Für diesen Zweck hat psyGA ein eLearning-Tool für Kleinbetriebe entwickelt, das sich gezielt an Unternehmer und Personalverantwortliche in kleinen und mittleren Betrieben richtet. Das Tool veranschaulicht den schrittweisen Aufbau eines gesunden Unternehmens und behandelt dabei zunächst die gesetzlich vorgeschriebene Gefährdungsbeurteilung sowie gesetzliche Pflichten zu Arbeitssicherheit, Arbeitsmedizin und Betrieblichem Wiedereingliederungsmanagement. Im Anschluss zeigt es, wie Unternehmen auch mit kleinen Mitteln ein Betriebliches Gesundheitsmanagement etablieren können. Das Tool bereitet alles Wissenswerte zu den einzelnen Bereichen auf und ermöglicht den Nutzern einen schnellen Einstieg in das Thema.

Das eLearning-Tool wurde gemeinsam mit dem Institut für Arbeitsmedizin und Sozialmedizin der RWTH Aachen University entwickelt und kann kostenlos und ohne Registrierung direkt hier genutzt werden.

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